Presseartikel – Kölner Stadtanzeiger Ausgabe von Samstag, 05. August 2017  – von Doris Richter

Eierkauf ist eine Sache des Vertrauens

Viele Händler in Rhein-Berg verzeichnen trotz des Insektitzid-Skandals mehr Kunden RHEIN-BERG. Das weiche Ei zum Frühstück, die zwei knusprigen Spiegeleier zum Schinkenbrot am Abend oder der steife Eischnee, der den Schokokuchen erst gelingen lässt: Viele Verbraucher im Rheinisch-Bergischen Kreis wollen darauf nicht verzichten. Das Aufsehen um die mit dem Insektizid Fipronil belasteten Eier aus den Niederlanden verunsichert die Kunden. Doch bei den meisten Händlern im Kreis sind Eier nach wie vor gefragt. Sie verkaufen zum Teil sogar mehr als sonst, zum Beispiel der Obsthof Schneider in Refrath. „Unsere Paletten sind fast leer“, sagt Verkäuferin Daniela Hoffmann. Der Obsthof bezieht seine Eier von drei Betrieben.

„Das ist reine Vertrauenssache zwischen den Kunden und uns Händlern“, sagt Franz-Josef Hungenbach, Inhaber des Gelügelhofes in Odenthal. Einige neue Kunden, die sonst die Eier nur im Supermarkt kaufen, seien schon bei ihm gewesen. „Wir haben aber ohnehin 98 Prozent Stammkunden. Und die kaufen weiterhin bei uns ein“

Diese Erfahrung macht auch der Bergisch Gladbacher Geflügelhofbetreiber Johannes Steffens. „Wir verkaufen auf dem Wochenmarkt aktuell etwas mehr. Aber das hat auch Nachteile für meine Stammkunden“, stellt er fest. „Denen muss ich heute sagen, dass die Eiergröße L aus der Bodenhaltung schon ausverkauft ist.“ Die Schlange der wartenden Kunden wird aber dadurch nicht geringen

Das Reinigen und Desinfizieren seiner Hühnerställe übertrage er nicht an eine Fremdfirma, wie es viele Betriebe tun. „Das ist eine aufwendige Prozedur mit heißem Wasser, Hochdruckreiniger und sorgfältig ausgewählten und dosierten chemischen Mitteln“, erklärt Steffens. Aktuell mache ihm die Situation um die mit Fipronil verseuchten Eier keine Sorgen.

Am Marktstand von Johannes Steffen (l.) und am Obsthof in Refrath bei Daniela Hoffmenn (r.) läuft der Verkauf von Eiern gut.

So sieht es auch Marcus Vogel, Chef vom Hof Jüch in Leverkusen-Schlebusch. Obwohl: „Wir spüren eine deutliche Zurückhaltung bei den Kunden und verkaufen kaum Eier“, erzählt er auf dem Wochenmarkt in Refrath, wo er vor allem Obst und Gemüse anbietet. Die Skepsis der Kunden halte nicht lange an, ist Mitarbeiterin Anneliese Christmann überzeugt. „Erst schlagen die Wellen hoch, und nach zwei Monaten ist es überstanden.“ Auch Vogel sieht einen klaren Vorteil der rheinischen Produzenten: „Bei uns wissen die Kunden, wo die Ware herkommt.“ Das sei in den Supermärkten anders. Währen Aldi alle Eierregale geräumt hat, sieht Rewe dazu keine Veranlassung. „Wir fordern von unseren Lieferanten Garantien und Untersuchungsergebnisse bis zum einzelnen Stall“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

Fotos: Richter